Diese Woche hatten wir Gemeindeversammlung. Anwesend waren 26 Bürger plus sechs Gemeinderatsmitglieder. Die Anzahl der Stimmberechtigten im Dorf liegt mittlerweile etwas bei 1880 (wir wachsen). Mithin lag die Stimmbeteiligung an der Versammlung bei aufgerundet 1,4 Prozent.
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Wir begannen pünktlich, Schlag acht. Erstes Traktandum war die Rechnung 2025, die wir einstimmig annahmen. Statt einer schwarzen Null machte die Gemeinde im “allgemeinen Haushalt” (ohne die separat verbuchten Gemeindebetriebe) rund 1,8 Millionen Franken vorwärts. Der grösste Faktor sind über eine Million Mehreinnahmen bei den Steuern, der zweitgrösste mehr als eine halbe Million weniger Sozialhilfe (“Beiträge an private Haushalte”. Zweites Traktandum war die Änderung des Feuerwehrreglements, die es der “Jungfeuerwehr” erlauben soll, sofort nach dem 18. Altersjahr bei den Grossen mitzumachen. Nach bisheriger Regelung mussten sie ein Jahr warten. Wir stimmten einstimmig zu. Es folgten Orientierungen des Gemeinderates. Der – von der Gemeinde getragene – Bau eines Glasfasernetzes läuft nach Plan. Die Gemeindepräsidentin mahnte die Hundehalter, die stinkenden Hinterlassenschaften ihrer Köter einzusammeln. Sie kündigte Bussen an, aber sie sagte nicht, wie die Gemeinde herausfinden will, wer den zu büssen sei. Die naheliegende Lösung wären Kameras an den exponierten Stellen. Danach fragte niemand. Meine Nachbarin hat eine sehr gute Idee: Jeder Hundehalter soll einmal im Jahr einen Samstag lang Hundsdrecke einsammeln müssen. Nach den Kameras fragte niemand, und die Nachbarin war nicht an der Versammlung.
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Zum Traktandum “Varia” fragte ein Bürger, wann die Sanierung der Bahnstrasse beendet sei (der Gemeinderat war überfragt), und ob die Gemeinde nicht etwas gegen die Wasserknappheit im Schrebergarten unternehmen könne (sie kann nicht, weil das Land der Burgergemeinde – nur Lotzwiler de souche – gehört, aber man “sucht das Gespräch”). Zwei Männer lobten die Gemeinde für das vorbildliche Kehrichtsammelsystem. Zu Recht: Beim Müll sind wir spitze.
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Nach dreiviertel Stunden war die Gemeindeversammlung beendet, und es folgte der zweite Teil bei Weisswein und Züpfe. Die Zahl der Wortmeldungen stieg markant an. Ich lernte René kennen, der vier Häuser weiter weg wohnt. Der für das Energiewesen zuständige Gemeinderat erläuterte am Stehpult das neue Glasfasernetz: Billiger als bei einer vergleichbaren Gemeinde, die ihre Elektrizitätsversorgung aus der Hand gab und auf die teureren neuen Netzeigentümer angewiesen ist: “Das Tafelsilber soll man nicht aus der Hand geben”, sagte der Mann. Unsere Nachbarin, die Bäuerin, schilderte die mannigfaltigen Interventionen der Berner Behörden zum Bau einer neuen Jauchegrube und eines Stalls: Mindestabstände (auf dem eigenen Grundstück), Geruchsimmissionsabsicherungskontrollen, meteorologische Kaltfrontgutachten (wenn kalt, stinkt es anders), Fragen eines Verwaltungsökonomen nach der Bewegungsart der Stalltüre. Alles wahrscheinlich gut gegründet in Reglementen, aber halt eher als schikanös empfunden where the rubber meets the road.
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Der Wert der Gemeindeversammlung liegt nicht im ersten, sondern im zweiten Teil, bei Züpfe und Weisswein. Hier ist sie nicht bürgerliche Pflicht, sondern Teilnahme. Im zweiten Teil ist die Gemeindeversammlung der Rotary Club der gewöhnlichen Leute.